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Der Lehrplan zur Erzieherausbildung

Der Lehrplan zur Erzieherausbildung

Wer sich für eine Ausbildung an einer Fachschule in Sachsen interessiert, entscheidet sich für einen Bildungsweg, der fachliche Qualifikation, persönliche Entwicklung und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet. Die Ausbildung orientiert sich dabei nicht nur an den Anforderungen der Berufspraxis, sondern ist fest im Lehrplan und den gesetzlichen Vorgaben des Freistaates Sachsen verankert.

Was steht im Lehrplan?

Die eigentliche Bezeichnung lautet: Lehrplan Fachschule. Fachbereich Sozialwesen. Fachrichtung Sozialpädagogik.

Der Lehrplan steht auf der Seite des Schulportales Sachsen zur Verfügung: https://www.schulportal.sachsen.de/lplandb/lehrplan/362

Der sächsische Lehrplan verfolgt das Ziel, Auszubildende umfassend auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten. Neben vertieftem Fachwissen werden soziale Kompetenzen, Verantwortungsbewusstsein, selbstständiges Denken und eine demokratische Haltung gefördert. Die Ausbildung unterstützt die Entwicklung der Persönlichkeit ebenso wie die Fähigkeit, in beruflichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen verantwortungsvoll zu handeln.

Vorbemerkungen zum Bildungs- und Erziehungsauftrag in Sachsen

Die rechtlichen Grundlagen des Bildungswesens im Freistaat Sachsen sind klar definiert und bilden die Basis für Erziehung, Bildung und berufliche Weiterbildung.

Bildungsauftrag laut Verfassung des Freistaates Sachsen

Die Verfassung des Freistaates Sachsen formuliert in Artikel 101 zentrale Ziele für das gesamte Bildungswesen. Dort heißt es:

„(1) Die Jugend ist zur Ehrfurcht vor allem Lebendigen, zur Nächstenliebe, zum Frieden und zur Erhaltung der Umwelt, zur Heimatliebe, zu sittlichem und politischem Verantwortungsbewusstsein, zu Gerechtigkeit und zur Achtung vor der Überzeugung des anderen, zu beruflichem Können, zu sozialem Handeln und zu freiheitlicher demokratischer Haltung zu erziehen.“

Dieser Artikel unterstreicht den ganzheitlichen Bildungsauftrag, der sowohl persönliche Werte als auch gesellschaftliche Verantwortung und demokratische Grundhaltungen umfasst.

Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule

Ergänzend dazu regelt das Schulgesetz für den Freistaat Sachsen in § 1 den grundlegenden Auftrag der Schulen. Dort wird festgelegt:

„(2) Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule wird bestimmt durch das Recht eines jeden jungen Menschen auf eine seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Erziehung und Bildung ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage.“

Weiter heißt es:

„(3) Die schulische Bildung soll zur Entfaltung der Persönlichkeit der Schüler in der Gemeinschaft beitragen.“

Damit wird betont, dass Schule nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch die individuelle Persönlichkeitsentwicklung sowie das soziale Lernen fördert.

Auftrag der Fachschulen in Sachsen

Für Fachschulen gelten zusätzliche Regelungen. Nach § 10 Absatz 1 des Schulgesetzes haben Fachschulen folgende Aufgabe:

„(1) Die Fachschule hat die Aufgabe, nach abgeschlossener Berufsausbildung und in der Regel praktischer Bewährung oder einer ausreichenden einschlägigen beruflichen Tätigkeit, eine vertiefte berufliche Weiterbildung mit entsprechendem berufsqualifizierendem Abschluss zu vermitteln.“

Darüber hinaus können an Fachschulen auch schulische Abschlüsse erworben werden:

„In der Fachschule können die Schüler auch schulische Abschlüsse erwerben, die sie befähigen, ihren Bildungsweg in der Sekundarstufe II oder an einer Fachhochschule fortzusetzen.“

Bundesweite Rahmenvorgaben für Fachschulen

Neben den landesspezifischen gesetzlichen Grundlagen sind für Fachschulen in den Bereichen Gestaltung, Technik, Wirtschaft und Sozialwesen auch die Ziele der Rahmenvereinbarung über Fachschulen maßgeblich. Diese wurde von der Kultusministerkonferenz am 7. November 2002 beschlossen und ist in ihrer jeweils gültigen Fassung umzusetzen.

Lernfelder, Fächer und Stunden

Die Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher ist umfassend angelegt. Sie verbindet allgemeinbildende Fächer, pädagogische Fachinhalte und umfangreiche Praxisphasen. Ziel ist es, fachliche Kompetenz, persönliche Haltung und berufliche Handlungssicherheit gleichermaßen zu entwickeln.

Der Lehrplan gliedert sich in mehrere Bereiche: einen fachrichtungsübergreifenden Bereich, einen fachrichtungsbezogenen Bereich, Wahl- und Wahlpflichtangebote, eine optionale Zusatzausbildung zur Fachhochschulreife sowie die berufspraktische Ausbildung.


Übersicht der Ausbildungsbereiche und Stunden

Fachrichtungsübergreifender Bereich

Dieser Bereich stärkt grundlegende Kompetenzen wie Sprache, mathematisches Denken, gesellschaftliches Verständnis und ethische Orientierung.

  • Deutsch: 160 Stunden
  • Englisch: 160 Stunden
  • Wirtschafts- und Sozialpolitik: 80 Stunden
  • Mathematik: 80 Stunden
  • Evangelische Religion, Katholische Religion oder Ethik: 40 Stunden
  • Sorbisch (optional): bis zu 160 Stunden

Gesamtumfang: ca. 520 Stunden
(mit Sorbisch erweiterbar auf 680 Stunden)


Fachrichtungsbezogener Bereich

Hier stehen die pädagogischen Kernkompetenzen im Mittelpunkt. Die Lernfelder (abgekürzt mit LF) orientieren sich an realen beruflichen Aufgaben von Erzieherinnen und Erziehern.

  • LF1 – Berufliche Identität und professionelle Perspektiven entwickeln: 160 Stunden
  • LF2 – Pädagogische Beziehungen gestalten und Gruppenprozesse begleiten: 150 Stunden
  • LF3 – Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen analysieren und mitgestalten: 160 Stunden
  • LF4 – Bildungs- und Entwicklungsprozesse anregen und unterstützen: 360 Stunden
  • LF5 – Kulturelle Ausdrucksmöglichkeiten und Kreativität weiterentwickeln: 590 Stunden
  • LF6 – Unterstützung bei besonderen Lebenssituationen: 340 Stunden
  • LF7 – Bildungs- und Erziehungspartnerschaften gestalten: 120 Stunden
  • LF8 – Teamarbeit, Qualitätsentwicklung und Kooperation im Berufsfeld: 120 Stunden
  • LF9 – Facharbeit erstellen: 80 Stunden

Gesamtumfang: ca. 2.080 Stunden


Wahlpflichtbereich

  • Der Wahlpflichtbereich ermöglicht eine individuelle Schwerpunktsetzung: 200 Stunden (davon 120 Stunden an Fachpraxis orientiert)
  • Pädagogische Arbeit auf Grundlage sorbischer Geschichte und Kultur: 80 Stunden (Nur für Sorbische Fachschule)

Gesamtumfang: ca. 200 Stunden
(abhängig von der gewählten Option)


Wahlbereich

Zusätzliche Vertiefung nach Interesse.

  • Pädagogische Arbeit auf Grundlage des WITAJ-Konzeptes: 160 Stunden

Zusatzausbildung Fachhochschulreife (optional)

Diese Zusatzqualifikation eröffnet den Zugang zu einem Studium an einer Fachhochschule.

  • Mathematik: 120 Stunden
  • Englisch: 80 Stunden

Gesamtumfang: 200 Stunden


Berufspraktische Ausbildung

Die Praxis ist ein zentraler Bestandteil der Ausbildung. Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher sammeln umfangreiche Erfahrungen in unterschiedlichen Arbeitsfeldern.

  • Blockpraktikum in Kinderkrippe, Kindergarten oder Hort: 11 Wochen
  • Blockpraktikum in weiteren Arbeitsfeldern der Erziehung (außer Kita): 11 Wochen
  • Blockpraktikum im Arbeitsfeld nach Wahl: 11 Wochen

Gesamtumfang Praxis: ca. 1.320 Stunden


Zusammenfassung

Gesamtausbildungsstunden

  • Pflichtbereich: 2800 Stunden
  • Fachrichtungsübergreifender Bereich: 520 Stunden (mit optionalen 680 Stunden bei Sorbischunterricht)
  • Fachrichtungsbezogener Bereich: 2080 Stunden (davon 1372 fachpraktische Inhalte möglich)
  • Wahlpflichtbereich: 200 Stunden (bei Sorbisch-Kultur 80 Stunden)
  • Wahlbereich: 160 Stunden
  • Zusatzausbildung Fachhochschulreife: 200 Stunden
  • Berufspraktische Ausbildung: 1320 Stunden (Blockpraktika je 11 Wochen)

Die Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher bietet eine ausgewogene Mischung aus Theorie, Praxis und individueller Schwerpunktsetzung. Sie bereitet gezielt auf die vielfältigen Aufgaben in der pädagogischen Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor und eröffnet zugleich weiterführende Bildungswege.

Dies soll ein Überblick sein, jedoch ohne Garantie auf Richtigkeit oder Vollständigkeit. Informieret euch immer an den jeweiligen Ausbildungsschulen. Falls Ihr Fehler oder Ergänzungen habt, schreibt mir einfach in die Komentare.

2 Kommentare zu „Der Lehrplan zur Erzieherausbildung

  1. Hy, danke für die Info!

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