Hier erfährst du alles über die Erzieherausbildung in Sachsen: Voraussetzungen, Ausbildungswege, Dauer & Vergütung auf einen Blick:
- Erzieherausbildung in Sachsen: Voraussetzungen, Ausbildungswege und Vergütung
- Was ist die Erzieherausbildung in Sachsen?
- Formale Zugangsvoraussetzungen
- Ausbildungswege im Überblick
- Ausbildungsinhalte: Was wird gelernt?
- Persönliche Kompetenzen: Was sollte ich mitbringen?
- Vergütung: Was bekomme ich während und nach der Ausbildung?
- Ausbildungsorte in Sachsen
- Fazit: Lohnt sich die Erzieherausbildung in Sachsen?
- Quellen
Erzieherausbildung in Sachsen: Voraussetzungen, Ausbildungswege und Vergütung
Du möchtest Erzieher oder Erzieherin werden und lebst in Sachsen? Dann bist du hier genau richtig. Dieser Artikel erklärt dir, welche schulischen und persönlichen Voraussetzungen du mitbringen musst, welche Ausbildungswege es gibt – inklusive des klassischen Wegs über die Sozialassistentenausbildung – und was du während und nach der Ausbildung finanziell erwarten kannst.
Was ist die Erzieherausbildung in Sachsen?
Die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher findet in Sachsen an Fachschulen für Sozialwesen statt. Diese können sich in staatlicher oder freier Trägerschaft befinden. Seit einer Gesetzesänderung im Dezember 2020 ist die Ausbildung an allen zugelassenen Fachschulen – ob staatlich oder privat – schulgeldfrei.
Mit erfolgreichem Abschluss erhalten Absolventinnen und Absolventen nicht nur die staatliche Anerkennung, sondern seit 2021 auch den Titel „Bachelor Professional in Sozialwesen“ – ein Abschluss, der formal einem Hochschulabschluss gleichgestellt ist.
Formale Zugangsvoraussetzungen
Schulabschluss
Die grundlegende schulische Voraussetzung ist ein Realschulabschluss (mittlere Reife, also der Abschluss der Mittel- oder Oberschule in Sachsen) oder ein gleichwertiger Bildungsabschluss. Ein Hauptschulabschluss allein reicht nicht aus.
Berufliche Vorqualifikation
Neben dem Schulabschluss muss eine der folgenden beruflichen Voraussetzungen erfüllt sein:
Mit Realschulabschluss:
- Eine erfolgreich abgeschlossene, mindestens zweijährige einschlägige Berufsausbildung (z. B. als staatlich geprüfte/r Sozialassistent/in) plus mindestens 6 Wochen sozialpädagogische Tätigkeit
- Eine Berufsausbildung und mindestens zwei Jahre Berufserfahrung (Option für Quereinsteiger)
- Eine Berufsausbildung und eine einjährige Berufstätigkeit in einem einschlägigen Beruf
- Eine siebenjährige erzieherische oder pflegerische Tätigkeit in Vollzeitbeschäftigung
Mit Fachoberschulabschluss:
- Abschluss der Fachoberschule in der Fachrichtung Gesundheit und Soziales (ohne zusätzliche Anforderungen)
- Abschluss einer fachfremden Fachoberschule plus mindestens 6 Wochen sozialpädagogische Tätigkeit
Mit Abitur:
- Allgemeine Hochschulreife (Abitur) plus mindestens 6 Wochen einschlägiges Praktikum (ca. 240 Stunden sozialpädagogische Tätigkeit)
Hinweis: Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder Bundesfreiwilligendienst kann in einigen Fällen auf die geforderte Praxiserfahrung angerechnet werden. Frag direkt bei der jeweiligen Fachschule nach.
Weitere Unterlagen bei der Bewerbung
Je nach Fachschule werden außerdem folgende Dokumente verlangt:
- Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis (nicht älter als 3 Monate)
- Ein ärztliches Attest zur gesundheitlichen Eignung
- Ein Gesundheitszeugnis vom Gesundheitsamt (für Praktika)
- Bei berufsbegleitender Ausbildung: eine Zustimmungserklärung des Arbeitgebers
Mindestalter
Ein gesetzlich vorgeschriebenes Mindestalter gibt es für die Erzieherausbildung in Sachsen nicht. Da jedoch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufserfahrung Voraussetzung ist, sind die meisten Auszubildenden zum Ausbildungsstart mindestens 18 bis 20 Jahre alt.
Ausbildungswege im Überblick
1. Der klassische Weg: Sozialassistenz → Erzieherausbildung
Der häufigste und empfohlene Weg führt über die Sozialassistentenausbildung. Diese zweijährige Ausbildung an einer Berufsfachschule für Sozialwesen bietet eine solide Grundlage in den Bereichen Pädagogik, Pflege und Betreuung. Voraussetzung ist mindestens ein Realschulabschluss. Wer Abitur oder Fachhochschulreife mitbringt, kann die Sozialassistenzausbildung auf ein Jahr verkürzen.
Der Abschluss als staatlich geprüfte/r Sozialassistent/in gilt als direkter Zugangsberuf für die Erzieherausbildung und erfüllt automatisch eine der Voraussetzungen zur Erzieherausbildung. Viele Anbieter ermöglichen sogar, beide Ausbildungen aus einer Hand zu absolvieren – zum Beispiel an den Standorten Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau.
Die Sozialassistentenausbildung selbst ist schulgeldfrei, aber nicht vergütet. Fördermöglichkeiten (z. B. BAföG, Agentur für Arbeit) sollten vorab geprüft werden.
Erzieher oder Erzieherin werden in Sachsen?
Alles Wichtige zur Erzieherausbildung
2. Vollzeitausbildung an der Fachschule
Die klassische Vollzeitausbildung dauert in Sachsen drei Jahre, aufgeteilt in theoretisch-praktischen Fachschulunterricht meist mit 11 Wochen Berufspraktikum in jedem Ausbildungsjahr.
3. Berufsbegleitende Ausbildung (Teilzeit)
Wer bereits in einer sozialpädagogischen Einrichtung arbeitet, kann die Erzieherausbildung berufsbegleitend absolvieren. Das Modell ist zeitlich flexibler und erstreckt sich in der Regel über vier Jahre. Der Unterricht findet in Blockunterrichtswochen statt (z. B. eine Woche Schule, drei Wochen Praxis pro Monat). Da die Auszubildenden in einem laufenden Arbeitsverhältnis stehen, werden sie entsprechend ihrem Arbeitsvertrag vergütet.
4. Praxisintegrierte Ausbildung (PiA)
Das PiA-Modell verbindet Theorie und Praxis von Anfang an. Die Ausbildung dauert drei Jahre – ohne das klassische, separate Anerkennungsjahr. Auszubildende sind von Beginn an in einer sozialpädagogischen Einrichtung angestellt und erhalten durchgehend eine Vergütung. Die Ausbildungsverantwortung liegt bei der Fachschule; der Träger stellt den Praxisplatz bereit.
5. Quereinstieg / Nichtschülerprüfung
Personen mit einschlägiger Berufserfahrung, aber ohne formalen Fachschulabschluss, können unter bestimmten Bedingungen eine Nichtschülerprüfung ablegen. Dies setzt fundierte theoretische Kenntnisse, langjährige pädagogische Praxiserfahrung und ausgeprägte Selbstorganisation voraus. Auch individuelle Anpassungsqualifizierungen sind möglich.
Ausbildungsinhalte: Was wird gelernt?
Die Ausbildung ist lehrplanbasiert und in neun Lernfelder gegliedert, die Theorie und Praxis verknüpfen:
- Berufliche Identität und professionelle Perspektiven entwickeln
- Pädagogische Beziehungen gestalten und Gruppenprozesse begleiten
- Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen analysieren und mitgestalten
- Bildungs- und Entwicklungsprozesse anregen und unterstützen
- Kulturelle Ausdrucksmöglichkeiten und Kreativität weiterentwickeln
- Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung besonderer Lebenssituationen unterstützen
- Bildungs- und Erziehungspartnerschaften initiieren und mitgestalten
- Im Team zusammenarbeiten, Qualität sichern und im Berufsfeld kooperieren
- Sozialpädagogische Einrichtungen leiten und mitgestalten
Auch interessant:
Der Lehrplan zur Erzieherausbildung
Was steht im Lehrplan zur Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher in Sachsen ?
Persönliche Kompetenzen: Was sollte ich mitbringen?
Die fachlichen Inhalte werden in der Ausbildung vermittelt – bestimmte persönliche Stärken solltest du aber schon mitbringen:
Soziale und emotionale Kompetenzen:
- Empathie und Einfühlungsvermögen
- Geduld, auch in schwierigen Situationen
- Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein
- Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft
Kommunikative Kompetenzen:
- Klare, altersgerechte Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen
- Elternarbeit und Gesprächsführung mit Erwachsenen
- Fähigkeit zur konstruktiven Konfliktlösung
Methodisch-didaktische und kreative Kompetenzen:
- Freude an kreativer Arbeit (Musik, Kunst, Theater, Bewegung)
- Beobachtungs- und Reflexionsvermögen
- Organisationsstärke und Planungsfähigkeit
Physische und psychische Belastbarkeit:
- Der Erzieherberuf ist körperlich und emotional anspruchsvoll – Belastbarkeit und ein gutes Gleichgewicht zwischen Engagement und Selbstfürsorge sind wichtig.
Vergütung: Was bekomme ich während und nach der Ausbildung?
Vollzeitausbildung (schulische Form)
In den Jahren der schulischen Vollzeitausbildung gibt es keine Ausbildungsvergütung. Finanzielle Unterstützung ist möglich über:
- Schüler-BAföG (abhängig von Elterneinkommen und eigener Situation)
- Aufstiegs-BAföG (AFBG)
- Förderung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter (z. B. bei Umschulung)
Praxisintegrierte Ausbildung (PiA)
Bei der PiA wird von Beginn an ein Ausbildungsgehalt gezahlt. Die Höhe richtet sich nach dem jeweiligen Tarifvertrag (TVöD oder vergleichbare kirchliche/freie Träger). Nach dem TVöD-Tarif (Ost) beläuft sich die Vergütung ungefähr auf:
| Ausbildungsjahr | Vergütung (brutto, ca.) |
|---|---|
| 1. Jahr | ca. 1.140 – 1.490 € |
| 2. Jahr | ca. 1.200 – 1.500 € |
| 3. Jahr | ca. 1.300 – 1.650 € |
(Die genauen Beträge hängen vom Träger und der Tarifbindung ab – bitte vor Ausbildungsbeginn klären.)
Berufsbegleitende Ausbildung
Auszubildende im berufsbegleitenden Modell erhalten das reguläre Gehalt aus ihrem bestehenden Arbeitsverhältnis – im Schnitt etwa 1.400 Euro brutto monatlich.
Gehalt nach der Ausbildung
Nach erfolgreichem Abschluss richtet sich das Gehalt nach dem TVöD Sozial- und Erziehungsdienst (SuE). Berufseinsteiger werden in der Regel in die Entgeltgruppe S 8a eingruppiert. Das Einstiegsgehalt liegt damit bei ca. 3.300 bis 3.414 Euro brutto pro Monat (Stand 2025). Mit steigender Berufserfahrung steigt das Gehalt automatisch durch Stufenaufstiege.
Ausbildungsorte in Sachsen
Die Erzieherausbildung wird an mehreren staatlichen und privaten Fachschulen für Sozialwesen angeboten, unter anderem in Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau. Staatliche Fachschulen und viele freie Träger erheben kein Schulgeld.
Fazit: Lohnt sich die Erzieherausbildung in Sachsen?
Der Erzieherberuf ist vielseitig, sinnstiftend und zukunftssicher – der Fachkräftemangel in sächsischen Kitas und Einrichtungen ist real. Die Ausbildung ist zwar anspruchsvoll und erfordert in der Vollzeitform eine finanzielle Überbrückungsphase, doch das PiA-Modell, BAföG-Förderung und berufsbegleitende Modelle machen sie für viele Menschen zugänglich. Wer die Zugangsvoraussetzungen noch nicht erfüllt, kann den Weg über die Sozialassistenzausbildung gehen – ein vollwertiger Beruf mit direktem Sprungbrett zur Erzieherausbildung.
Quellen
- Deutscher Bildungsserver – Erzieher*innenausbildung in Sachsen
https://www.bildungsserver.de/Sachsen-4083-de.html - DRK Akademie Sachsen – Erzieher/in
https://drk-bildungswerk-sachsen.de/ausbildung/erzieherin.html - kita.de – PiA Ausbildung: Länge und Vergütung der praktischen Erzieherausbildung
https://www.kita.de/wissen/pia-ausbildung/ - medi-karriere.de – Erzieher Gehalt 2026: Aktuelle TVöD Tabelle & Bundesländer-Vergleich
https://www.medi-karriere.de/medizinische-berufe/erzieherin-gehalt/ - ausbildung.de – Erzieher Gehalt: Ausbildungsvergütung und Verdienst
https://www.ausbildung.de/berufe/erzieherin/gehalt/ - freiplatzmeldungen.de – Erzieherausbildung: Überblick & Voraussetzungen
https://freiplatzmeldungen.de/erzieher-in/erzieherausbildung.html - erzieherin-ausbildung.de – Erzieherausbildung Sachsen: Voraussetzungen, Ablauf, Ausbildungsmodelle und Vergütung
https://www.erzieherin-ausbildung.de/content/erzieherschulen-sachsen - DPFA Akademiegruppe – Erzieherausbildung: Voraussetzungen & Kosten
https://www.dpfa-erzieher.de/erzieher-werden/voraussetzungen-kosten - Sächsische Sozialakademie (SSA) – Staatlich anerkannte/r Erzieher/in (Bachelor Professional in Sozialwesen)
https://www.sozialakademie-sachsen.de/staatlich-anerkannte-r-erzieher-in-schulgeldfrei/

